Mit mehrjähriger Verspätung brachte BEMO seinen dreiteiligen Triebwagen VT624 in verkehrsrot auf den Markt. Optisch ein gelungenes Modell, technisch an einigen Stellen mit Verbesserungspotential. Aus diesem Grunde beschreiben wir hier, welche kosmetischen, elektrischen und mechanischen Änderungen wir zum Zwecke des “Aufhübschens” vorgenommen haben:

1. Optische Verbesserungen durch Kolorieren der Inneneinrichtung

Verwendete Farben:

  • Sitzpolster 2. Klasse: Humbrol Nr. 48
  • Sitzpolster 1. Klasse: Revell, Nr. 54, Nachtblau, glänzend
  • Fußboden: Revell Nr. 43, Mittelgrau matt
  • Trennwände: Revell, Nr. 89
  • Armlehnen: Revell, Nr. 331 Purpurrot, seidenmatt
  • Kopfstützen: Revell, Nr. 09, Anthrazit, matt

Aus verschiedenen Gründen (siehe unten) wurden Relais und Platine ausgebaut und die Leitungsführung im Antriebswagen verändert bzw. neu aufgebaut. Den entstandenen Raum deckt eine selbst konstruierte Blende ab unter der der Dekoder Platz findet.

2. Einbau eines Sounddekoders

ESU oder Uhlenbrock bieten keinen Sounddekoder für den VT24 bzw die BR 624 an - jedenfalls nicht zum Zeitpunkt des Umbaus. Aus diesem Grunde haben wir auf den ESU Dekoder 52451 zurückgegriffen. Dieser Dekoder bildet zwar die BR610 nach, aber Modellbahn ist eben immer ein Kompromiss.

Es wurde je ein Lautsprecher in den Motor- und in den Steuerwagen eingebaut (ESU 50447). Die Schallkapseln wurden getrennt und jeweils am Wagenende eingepasst. Da die gesamte Garnitur mit all ihren Achsen später ohnehin rumpelt und klappert, würden wir dies aber nicht noch einmal machen, sondern uns lieber mit einem Lautsprecher im Motorwagen nahe des Dekoders begnügen.

Für den Einbau von zwei Lautsprechern war jedoch auch ein Eingriff in die Kupplung selbst nötig, da die bestehenden 6 Pins nicht mehr ausreichten und man für die beiden Lautsprecherleitungen mindestens 8 Pins benötigte. Also wurden sämtliche Kupplungen geöffnet und 12 polige Stecker bzw. Buchsen im selben Rastermaß eingelötet.

Weiter unten gibt es zwei Designvorschläge für die Beschaltung der Kupplung mit zwei und eine entschärfte Variante mit nur einem Lautsprecher.

3. Einbau der Innenbeleuchtung

Die zugehörige Innenbeleuchtung von Bemo besteht aus einer Leiterplatte pro Wagen. Diese ist mit gelben LEDs bestückt, was für das Auge sehr anstrengend ist und auch nicht vorbildgerecht erscheint, denn die Züge der Epoche 5 waren mit warmweißen und kaltweißen Leuchtstofflampen ausgerüstet. Aus diesem Grunde wurden die gelben LEDs durch pinkompatible weiße LEDs der Firma OSRAM ersetzt (Osram PLCC2 SMD LED LW T67C weiss). Fündig wurden wir bei einem großen und bekannten Online Aktionshaus mit vier bunten Buchstaben.

4. Verbesserung der Fahreigenschaften (das leidigste aller Themen)

Leider hatten wir von Anfang an erhebliche Probleme mit dem Fahrverhalten des dreiteiligen Triebwagens. Im Laufe der Zeit konnten wir diese jedoch nach und nach - teilweise auch mit Unterstützung von BEMO - lösen und möchten sie daher erwähnen und mögliche Lösungen vorstellen:

4.1 Problem: Mittelwagen hebt in den Kurven ab

Das angetriebene Drehgestell bringt sehr wenig Gewichtskraft auf die Schienen. Problemlos war die Fahrt allein mit Motor- und Steuerwagen, wurde jedoch ein Mittelwagen eingestellt, drängt sich der Verdacht auf, dass der Zug schlichtweg untermotorisiert ist. In der betrachteten Einheit waren die Drehgestelle des Mittelwagens zudem mit Stromabnehmern ausgerüstet, was den Zug zusätzlich gebremst hat. Fairerweise muss man zugegeben, dass Bemo einen (sehr kleinen) Motor ausgesprochen elegant eingebaut hat und er von außen kaum sichtbar ist. Aber gerade in Abschnitten mit Kurven (r=365mm) hat es den Mittelwagen regelrecht aus den Schienen gehoben.

Als Lösung bot sich der Einbau zusätzlicher Gewichte im Mittelwagen an. Diese wurden problemlos und kostenfrei durch BEMO bereitgestellt und einfach in die vorgesehenen Halterungen gesteckt. Weitere Arbeiten waren nicht nötig. Die Kommunikation mit einem der Entwickler war übrigens auf kleinem Dienstweg ganz hervorragend und vollkommen unbürokratisch.

4.2 Problem: Antriebswelle rutscht aus der Nut zum Getriebe

Nach kurzer Freude ist dann der 624 auf freier Strecke liegengeblieben. Motorschaden! Die Antriebswelle, die Motor und Getriebe miteinander verbindet, war einfach zu kurz dimensioniert. Im konkreten Fall lag das nicht an “schlechter” Montage, sondern an einem Designfehler. Auch hier hat BEMO kurzerhand nachgebessert.

Im Foto läßt sich deutlich erkennen, dass die Welle zu kurz dimensioniert ist:

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4.3 Problem: Motorwagen kann dreiteilige Einheit vor allem an Steigungen nicht vorantreiben.

Auch an Steigungen (< 4%) hatte das Fahrzeug seine liebe Mühe: Die Antriebsachsen drehten durch und das Fahrzeug verlor an Fahrt. An dem angesprochenen, dreiteiligen Fahrzeug waren jedoch die Achsen des Mittelwagens mit Schleifern ausgerüstet, obwohl diese keine elektrische Funktion hatten. Warum dies im konkreten Fall seit der Auslieferung so war oder vielleicht auch in den heutigen Modelle noch so ist, weiß nur das liebe Lieschen. Dieser Umstand führte natürlich zu erhöhter Reibung und schlechtem Vorankommen.

Kurzfristig lies sich das Problem durch den Austausch einer Standard-Antriebsachse gegen eine weitere Antriebsachse mit Haftreifen beheben. Dies minderte natürlich die Stromaufnahme am Motorwagen (nur zwei Achsen statt drei mit Stromaufnahme). Hierfür musste das Drehgestell komplett demontiert werden.

4.4 Problem: Stromaufnahme insgesamt unbefriedigend

Man sollte meinen, dass bei so vielen Achsen am Zug die Stromaufnahme nahezu perfekt ist. Nun hat hier aber der Digitalbahner die Rechnung ohne den Analogbahner gemacht, bei dem der erste Wagen auf Anlagen mit klassischen Halteabschnitten erst hinter dem Signal zum Stehen kommen würde. Ein Relais im Motorwagen schaltet nämlich die Stromaufnahme je nach Fahrtrichtung zwischen Steuerwagen und Motorwagen um. OK, das ist ein Feature für den Analogbahner, benötigt aber kein Digitalist.

Abhilfe bringt hier allerdings nur der komplette elektrische Neuaufbau und damit ein Eingriff in die Innereien des Triebzuges. Die verwendete elektrische Kupplung hat insgesamt sechs Kontakte; diese reichen für die Standardfunktionen (Lichtwechsel, Innenbeleuchtung und Stromaufnahme) aus.

In unserem Triebzug ist, wie oben bereits erwähnt, neben dem Lautsprecher im Triebwagen auch ein Lautsprecher im Steuerwagen eingebaut, was das Durchschleifen der Leitung vom Sounddekoder bis zum Schallgeber mit nötig macht. Wer darauf Lust hat, muss auch noch die sechspolige elektrische Kupplung gegen eine zwölfpolige austauschen und dieser Aufwand ist immens. Die Wagen müssen vollständig auseinander gebaut werden. Danach wird die Platine aus der jeweiligen Kupplungsaufnahme ausgelötet und mit einem neuen Stecker bzw. Buchse bestückt.

Nachfolgend sind zwei Varianten der Beschaltung gezeigt:

Dsc_0146001_klein

Das Drehgestell unbedingt vorsichtig auseinander bauen, ansonsten ist das Abbrechen der Rastnasen sehr wahrscheinlich wie im vorliegenden Fall geschehen (siehe Klipp rechts oben).

Dsc_0161_klein2

Das demontierte Drehgestell besteht aus zwei Kunststoffteilen und den beiden Achsen.

Beschaltung
Steckerdraufsicht
Dsc_0168022_klein

Stecker (CONRAD 738468-15) und Buchse (CONRAD 738514-15)

Wenn nun die wesentlichen Verbesserungen und Änderungen durchgeführt sind, hat man

  • eine Menge Zeit investiert
  • nicht allzu viel Geld in die Hand genommen,
  • nette Menschen bei Bemo kennengelernt,
  • und am Ende ein sehr schönes Modell mit optimierten Fahreigenschaften.
Dsc_0204_klein

Andreaskreuz
 BR 624

Last Update: 14. Dezember 2009

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